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G 43 DFE - Das Selbstladegewehr Modell 43 als Vollautomat im Kaliber 8 x 33

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Der Bericht gliedert sich in zwei Teile. Im ersten Teil wird versucht den Hersteller anhand einer Indizienkette zu identifizieren. Im zweiten Abschnitt werden die eigentlichen technischen Änderungen gegenüber einer Serienwaffe beschrieben.
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Teil 1:
Diese im vierten der Stock des Hauptgebäudes der Sammlung ausgestellte Waffe dürfte das einzige Stück seiner Art sein. Die Bezeichnung DFE ist frei gewählte Bezeichnung.. Denn bisher sind noch keinerlei schriftliche Dokumente zu dieser Waffe aufgetaucht. Im Eingangsverzeichnis der WTS ist lediglich der Vermerk "Leihgabe aus USA" zu finden. Die Waffe trägt keinerlei Hersteller- oder Abnahmestempel. Ebenso keine Seriennummer. Lediglich der Lauf und die beiden Stützklappen sind mit dem damaligen Beschussstempel versehen.

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Laufansatz mit Beschussstempel. Stützklappen mit Beschussstempel.

Das Fehlen einer Seriennummer deutet auf ein Einzelstück hin. Der gesamte Erhaltungszustand und die Abwesenheit von Gebrauchsspuren, wie Kratzer am Metall oder Dellen im Holz, schließt eine Felderprobung aus. Die Waffe scheint nur für Funktionsversuche benutzt worden zu sein. Es stellt sich nunmehr die Frage, wer hat diese Waffen umgebaut und welche Absichten waren damit verbunden? Hier sind der Spekulation Tür und Tor geöffnet. Ausgehend von der Annahme, dass die Waffe von einem der Hersteller des G 43 gebaut und erprobt wurde und nach Kriegsende als Beutestück in die USA ging, kommen nur die Firmen Walther und Gustloff in Betracht. Denn die Standorte dieser Firmen in Zella Mehlis und Weimar wurden als erstes von amerikanischen Truppen besetzt. Vergleicht man die Hülse des G 43 DFE mit denen aller G 43/K43 Hersteller, bleiben ebenfalls nur Walther und Gustloff als mögliche Hersteller übrig. Die fertigen Hülsen dieser Firmen, normalerweise mit dem Code ac oder bcd versehen, weisen die gleiche Form und Art der Endbearbeitung auf. Aufbauend auf den Informationen aus dem vom Collector Grade Verlag herausgegebenen Buchs “Hitlers Garands“ von Darrin Weaver und vielen weiteren Vergleichen mehrerer Waffen ziehe ich die weiteren Schlussfolgerungen.

Die im besetzten Frankreich bei MAS (Manufacture National d´Armes, St. Etienne) gefertigten Hülsen wurden dort im Werk schon mit der Modellbezeichnung "G.43" und der Abnahme WaA 134 versehen und ausgeliefert. In der Ausführung der Modellbezeichnung finden wir nur bei von MAS hergestellten Hülsen das "G" mit Serifen. Die Firma MAS belieferte nach obiger Quelle die Firmen Gustloff komplett und Walther zeitweise.

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Modellbezeichnung G 43 DFE.
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Modellbezeichnung G.43 bei einer Waffe von Gustloff.
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Modellbezeichnung G.43 bei einer Waffe von Walther mit einer Hülse aus St. Etienne. Die Form entspricht noch genau den frühen Lieferungen. Die Bearbeitung bei weitem nicht mehr.
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Modellbezeichnung G.43 bei einer Waffe von Walther mit im eigenen Werk hergestellter Hülse, ohne Serifen.
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Modellbezeichnung G.43 bei einer Waffe bei BLM (Berlin-Lübecker Maschinenfabrik) mit im eigenen Werk hergestellter Hülse, ebenfalls ohne Serifen.
Über die Form der Modellbezeichnung ist die Hülse des Prototyps dem Hersteller MAS in St. Etienne zuordenbar. Noch deutlicher wird dies nach Zerlegung der Waffe. Bei keinem anderen Hersteller erfolgte die Oberflächenbearbeitung so hochwertig. Auch die Form der drei Durchbrüche und des unteren Randes der Hülse findet man nur bei den Stücken aus St. Etienne.

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G 43 DFE mit sauber gearbeitete Flächen.
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G 43 bcd (Gustloff) 6285b mit sauber gearbeiteten Flächen.
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G 43 ac 44 Walther 8348 c, aus der eigenen Produktion mit wenig bearbeiteten Flächen.
Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal ist die Ausführung der Schiene vor dem Rückstoßlager. Bei allen bisher gesichteten MAS Hülsen läuft die Schräge bis zum Ende der Hülse durch. Bei den anderen Herstellern ist ein Teil dieser Schräge abgefräst.

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G 43 DFE die Schräge geht durch bis zum Ende der Hülse.
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G 43 Walter abgefräste Schräge.
Die Herkunft der Hülse dürfte somit ausreichen geklärt sein. Aber wer hat nun die Waffen zusammengebaut? Die weitere Betrachtung des Stückes gibt hierzu noch einige wesentliche Anhaltspunkte. Die Schlosshülse bringt den größten Hinweis in Richtung Walther. Diese ist gefräst. Sie ist ein Überbleibsel aus der G 41 Produktion. Bei diesem Vorgänger-Modell wurden ausschließlich diese Schlosshülsen verbaut. Diese Überbestände wurden von Walther in der ersten Serie G 43 verbaut. Danach kamen bei allen Herstellern nur noch die geprägten Schlosshülsen zum Einsatz.

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G 43 DFE mit gefräster Schlosshülse. Gut zu erkennen der Umschalthebel für Einzel- und Dauerfeuer.
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G 43 ac 44 mit geprägter Schlosshülse.
Auch das Visierblatt, das einzige Teil an der Waffe, das eine WaA 359 Abnahme trägt, stammt aus der G 41 Produktion. Die Visierblätter dieser Waffen waren von unten hohl gefräst. Dieser Arbeitsgang wurde beim G 43 nicht beibehalten.

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G 43 DFE Visierblatt mit Abnahme WaA 359 (Walther).
Auch der Abzug stammt wahrscheinlich aus der G 41 Produktion:
 
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Dies ist der Versuch zur Klärung der Herkunft dieser Waffe. Den letztendliche Beweis könnten nur entsprechende Dokumente liefern.
Teil2:
Doch nun zu den technischen Änderungen an der Waffe.. Als erstes sticht dem Betrachter das große 30 Schuss Magazin des Sturmgewehrs 44 ins Auge. Der Feuerwahlhebel sitzt eher unscheinbar links an der Waffe.

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G 43 DFE der Umschalthebel in Stellung "D".
Um das Magazin des StG 44 verwenden zu können waren diverse Änderungen notwendig. Bilder sagen hier mehr als tausend Worte:

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G 43 DFE Magazinschacht mit Magazinentriegelungsknopf von links.
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G 43 DFE Magazinschacht von rechts.
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G 43 DFE Magazinschacht von unten.
Zur Anbringung des aus Blech gefertigten Magazinschachtes waren einige Arbeiten am System und am Schaft notwendig. Das Blechteil wurde per Punktschweißung und Hartlötung an der Hülse angebracht.

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G 43 DFE rechts im Bild oberhalb der Öffnung des Magazin-Entriegelungsknopfes sind die beiden Punktschweißungen gut zu erkennen.
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Im Bereich des Rückstoßlagers wurden zunächst zwei dreieckige Metallplatten aufgelötet und dann daran das Gehäuse befestigt.
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Auch rechts sind die Punktschweißungen gut zu erkennen. Die alte Magazinhalterung wurde entfernt.
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Der Verschlussfang fiel ebenfalls den Änderungen zum Opfer. Die Öffnung wurde nicht verschlossen. Der Ausstoßer wurde aufgrund der kürzeren Patrone nach vorne verlängert und vergrößert.
Der neue Magazinschacht hatte auch Änderungen am Schaft und Abzugsbügel zur Folge. Dieser wurde im Bereich des Magazindurchbruches auseinander geschnitten, am verbleibenden vorderen Teil wurde ein Blech mit einer kleinen Nase die sich in den neuen Magazinschacht einhakt angeschweißt. Mit Hilfe der vorderen Systemschraube wird ein neu angefertigtes Blechteil gegen den Magazinschacht gedrückt.

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G 43 DFE geänderter vorderer Teil des Abzugsbügels.
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Magazinschacht mit Schlitz zur Aufnahme der Nase am Abzugsbügel. Hier ist die Schweißnaht der Änderung gut zu erkennen.
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Neues Halteblech von außen. Neues Halteblech von innen.
Beide Teile verfügen nicht über die obligatorischen Sicherungsstifte für die Systemschrauben.

Der Auslösehebel zum vollautomatischen Schießen wurde links am System angebaut und tritt durch einen neu geschaffenen Schlitz in der Hülse in die Bahn des Deckels. Dieser löst beim darübergleiten die Schüsse aus. Dazu wurde in die Unterseite eine Nut eingearbeitet.
Auch an der Kammer wurden zwei Veränderungen vorgenommen. Um ohne Probleme über den vergrößerten Ausstoßer fahren zu können wurde die kurze Aussparung beträchtlich verlängert. Auch auf der gegenüberliegenden Seite wurde diese Ausfräsung durchgeführt.

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Auslösehebel und Umschalter. Die Bolzen sind im Gegensatz zum "normalen" G 43 mit Federscheiben gesichert.
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Im Bild oben ist die Nut gut zu erkennen.
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Hier sind die Änderungen gut sichtbar. Von links: Auslösehebel, darüber der geänderte Ausstoßer und darunter die Magazin-Entriegelung. Rechts davon die Öffnung des ehemaligen Verschlussfangs. Der Feuerwahlhebel mit den kleinen Nuten in denen er einrasten kann.
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Kammer von links. Im unteren Bereich ist die Aussparung für den Ausstoßer zu sehen.
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Kammer von rechts. Aussparung.
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Kammer von unten mit Nute für den Ausstoßer.
Um diese zusätzlichen Funktionsteile im Schaft unterzubringen musste dieser an verschiedenen Stellen ausgenommen werden.
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Aussparung für den Feuerwahlhebel. Hier wurde der Schaft enorm geschwächt.
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Aussparungen für die überstehenden Enden der einzelnen Bolzen der Abzugseinrichtung.
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Linke Schaftseite Änderungen für den Magazinhalter.
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Rechte Schaftseite Änderungen für den Magazinhalter.

Fazit:
Eine sehr interessante Waffe. Wahrscheinlich das einzige existierende Exemplar. Welche Absichten damit verbunden waren liegt noch im Dunkeln der Geschichte. Eine Umrüstung der vorhandenen Bestände an G43/K43? Der logistische Aufwand die Waffen aus der Truppe zu ziehen wäre sehr hoch gewesen. Dazu kommt noch der hohe händischer Aufwand beim Umbau der Waffen. Oder eine generelle Neufertigung in dieser Art? Diese Möglichkeit kommt schon etwas mehr in Betracht. Wobei das StG 44 bei den Fertigungsstunden mit Sicherheit besser abschneidet. Aber vielleicht kann einer der Leser etwas zur Klärung beitragen.
 

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